Street Art in München

Mehr pinke Ratten für Bogenhausen

Seit einem halben Jahr ist die kreative Gestaltung des Durchgangs am Friedensengel abgeschlossen. Die Anwohner sind begeistert von den professionellen Graffiti und würden gerne mehr Street Art in Bogenhausen sehen. Dennoch hat die Stadt bisher keine weiteren Projekte geplant.

Die Freiluft-Galerie zeigt die verschiedensten Motive. Hier ein Kunstwerk mit dem Friedensengel. (Foto: Gloria von Bronewski)

 

Klassische Kunst trifft Graffiti: Überirdisch lässt der historische Friedensengel in Bogenhausen noch nichts davon ahnen – geht man jedoch unter dem Monument durch, trifft man auf pinke Ratten, eine tauchende Kuh und japanische Manga-Zeichnungen. Denn seit mehreren Monaten ist der Fahrrad- und Fußgängerdurchgang eine, von der Stadt initiierte, Freiluft-Galerie für Graffiti. Und: die Bogenhausener wollen mehr davon.

 

Begeisterte Bogenhausener

Entgegen dem Klischee der Landeshauptstadt, dass die Münchner konservativ eingestellt seien, sind die Einwohner fasziniert von den bunten Wänden. „Ich find’s sehr cool. Es ist ein Zwischending zwischen der Freiheit der Sprayer und alltäglicher Kunst“, sagt der 27-Jährige Moe Rastizadeh. Eine weitere Passantin spricht

über die Graffiti: „Mein Lieblingsstück ist die Flamenco-Tänzerin“, sagt die 32-Jährige Mutter Laura Franke. Aber die bunte Unterführung spricht nicht nur die jüngere Altersgruppe an, sondern auch die Rentnerin Ursula A. (71): „Vor einem Jahr war hier noch alles beschmiert“, sagt sie über die Amateur-Graffiti, die nun aufgrund des Projekts übermalt wurden. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Stadt das vermehrt machen würde. In Bogenhausen gibt so viele hässliche Stellen, denen das gut tun würde.“

 

Keine neuen Projekte in Bogenhausen geplant

Trotz des Zuspruchs der Einwohner sind momentan aber weder eine Fortsetzung noch neue Street Art Projekte in Bogenhausen geplant. „Die Initiative kommt meist von den Künstlern selbst“, erklärt Nina Lindinger, Sprecherin des Baureferats München. „Derzeit ist in dem Viertel nichts vorgesehen, aber die Street Art entwickelt sich fortlaufend im gesamten Stadtgebiet. Zum Beispiel wird nächstes Jahr der zweite Teil des Projekts an der Donnersberger Brücke gestaltet werden.“

 

Grauer Gang wird zur Galerie

Unter der Leitung des bekannten Sprayers Loomit – mit bürgerlichem Namen Matthias Köhler – haben verschiedene Street Art Künstler im Frühjahr 2011 die Unterführung in eine Graffiti-Galerie verwandelt. Dies geschah allerdings nicht illegal, wie viele der vorbeilaufenden Passanten meinen, sondern in Zusammenarbeit mit der Färberei und dem Baureferat der Stadt München. An dem Projekt arbeiteten, neben Sprayern aus München und Hamburg, auch internationale Künstler aus England, Japan, Russland und Chile mit. Loomit, der auch Galerist und Kurator ist, erklärte in einer Sendung des BR die Entstehungsidee: „Ein Kollege ist in diesem Jahr an einem Krebsleiden gestorben. Das hat uns alle sehr stark mitgenommen, und hier am Friedensengel erstelle ich ihm ein Epitaph, ein kleines Denkmal. Der Friedensengel ist dafür ein besinnlicher Ort.” (Ausschnitte des TV-Beitrags finden Sie hier)

 

Nicht für die Ewigkeit

Allerdings bröckelt bereits bei den ersten Kunstwerken in der Unterführung die Farbe. Besonders dort, wo sie der Witterung ausgesetzt sind. “Wir machen uns keine Illusionen darüber, dass unsere Malerei ewig hält. Es ist eine temporäre Kunst, die wir machen. Man kann die Bilder zwar mit einer Wachsschicht schützen, aber das war’s dann auch“, sagte Loomit bereits in dem TV-Beitrag zur Eröffnung der Freiluft-Galerie. Eine weitere Fußgängerin blickt auf die abgesplitterte Farbe auf einer der Wände. Die 43-Jährige Lehrerin Maria Ulldinger sagt: „Schade, dass es langsam abgeht. Aber das gehört ja auch zu dieser Art von Kunst. Sie vergeht und ist eben nicht in einem Museum konserviert.“

 

 

Von Gloria von Bronewski (am 16.12.2011)